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Tag der Befreiung oder: Immer der Laterne nach

8 Mai

Aufstehen! Tag der Befreiung!

Inhalt und zeitlicher Zusammenfall sind Zufall. Wir sind bloß aufgewacht.
Waren wir zwischenzeitlich schon mal kurz, haben Horst S. gesehen (wollte er nicht letztes Jahr in diesem Jahr zurücktreten im Frühjahr, oder wie?), der immer noch da ist und Sachen sagt – und sind gleich wieder in Tiefschlaf gefallen. Kurz zuvor haben wir noch ein Auge auf die neue Handspielregel in der Fußballbundesliga geworfen und sie versucht zu verstehen … naja … der prompte Tiefschlaf lag vielleicht auch daran … nämlich an Schock, Unverständnis und hoher Not … aber das kennen wir ja schon dank FPD (auch noch da) und so … vom Leben eben.

Straßenlaternen können sprechen, wenn man sie lässt. Von Wänden kennen wir das ja schon, zum Beispiel von der Berliner Mauer oder der Wand der Hinrichtung der Ceaușescus (es war nicht schön, dass sie das damals im TV gezeigt haben!) oder Wände im Wartehaus an einem Bahnhof auf dem Land im Grünen.
Dort befanden sich zwei mit schwarzem Filzstift hingekritzelte Hakenkreuze.
All ihren Mut zusammengefasst, hat die Weiler eines Morgens beschlossen, beide unkenntlich zu machen. Erst war der Plan der, mit einem schwarzen Filzstift einfach drüberzumalen oder sie unkenntlich zu machen, indem sie in ein Gesamtkunstwerk eingebunden würden. Dann kam zum Glück noch rechtzeitig der Gedanke, was, wenn die Weiler gerade mit dem Filzstift hantiert und jemand kommt und sieht: Oh, der junge Mann da malt mit ’nem schwarzen Filzstift Hakenkreuze anne Wand, Alarm, Ordnungshüter und Heidewitzka, Herr Kapitän! Echt jetze.
Deshalb hat die Weiler beschlossen, auf schwarze oder rote Stifte oder weiße Farbe zum Übermalen zu verzichten und statt dessen mit einem Spachtel die Kreuze abzukratzen. Schrot wäre auch noch eine Möglichkeit gewesen, aber die Flinte haben die Kinder mit inne Kita. Das größere der beiden Kreuze war schon vernichtet, als wir zur Tat schreiten wollten, das kleinere war noch da, aber nicht mehr lange und erwischt hat uns auch keiner! YÄH. Mal sehen, wie lange dieser Frieden dauert.

Freundlicher sind die Straßenlaternen am Straßenrand auf dem Weg von einem kleinen Ort in einen anderen kleinen Ort, der aber etwas größer ist als der erste kleine Ort: beklebt mit Antifa-Aufklebern. So soll es sein. Wir, die ganze Weiler, sind übrigens insgesamt, ausschließlich und am ganzen Körper für Frieden und Gewaltfreiheit in Handlung und Sprache! Einer der Aufkleber war halb abgerissen, darunter lungerte ein Hakenkreuz herum (schwarzer Filzstift). Zum Glück haben wir immer eine Runde Panini-Fußballbilder in der Tasche (eigentlich, um blutsverwandte Kinder zu bestechen – aber vielfältig einsetzbar).
Mit der Unterstützung von zwei Haselmäusen, die durchs Grüne toben, und einem toten Frosch, der so ordentlich platt gefahren wurde, dass sogar die Därme sauber aus dem Maul quollen, der arme, elegant den Aufkleber drauf aufs fiese Zeichen und der Frieden ist sicher. Und zwar mit einem Bild des Frauenfußballweltmeisterschaftspokals, denn vom 7. Juni bis 7. Juli ist Frauenfußball-WM in la France. Bestimmt ohne Handspielregelchaos, denn Frauen können das …
Auf dem Weg vom größeren kleinen Ort in den nächsten mittelgroßen Ort kleben vermehrt Anti-Merkel- und AfD-Aufkleber an den Laternen. Anti-Merkel war schon halb zerkratzt, und die anderen dann auch bald verschwunden …

Was sagen uns diese Laternen? »Die Gedanken sind frei« (zum Beispiel in der Version von Hoffmann von Fallersleben 1842). Zum Glück kann man nicht alle Gedanken sehen, jedenfalls noch nicht. Es ist alles Meinungsfreiheit, theoretisch. Praktisch gibt es noch den gesunden Menschenverstand und die Menschenrechte. Bald sind Europawahlen – plötzliche Müdigkeit schon wieder überall – und in Zeiten wie diesen muss, muss, muss und müssen man, frau, mensch und kinder, alle Tiere – und ok, auch die FDP – wach sein. Hakenkreuzen, Desinformationen, Trollen, Hacker-Russen und allen Unsicherheiten zum Trotz. Und wählen gehen!

Der Hoffnung zuliebe …

Die Weiler ist übrigens geimpft und wird nicht von Panini gesponsert.

8. Mai 2019