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»Du musst lesbischer schreiben!«

25 Nov

Die lesbische Buchvorstellung

Unzählige möglicherweise lesbische Frauen oder Frauen mit homosexuellen Erfahrungen oder mit homosexuellen – und hier am liebsten LESBEN!!!- Verwandten, Schranklesben, eingesperrte oder sonstige feministisch-lesbische Homosexuellinnen, die bisher noch keine Gelegenheit hatten, sich zu outen oder einfach zu feige waren, aber auf jeden Fall lesbisch, erzählen Nicht-Lesbisches aus ihrem (Berufs-)Leben. Auch Dunja Hayali macht mit, erzählt aber lahmerweise von ihrem nicht-lesbischen Vater und das hat gar nichts mit Homosexualität zu tun.

Doof. Aber darum geht es auch nicht in diesem nicht-lesbischen Buch, was die Rezensentin von Anfang an klar und deutlich gesagt hat. Leider hat die Chefin erst bemerkt, dass ihr der Text »nicht lesbisch genug« ist, als der Beitrag, der auf einen zum damaligen Zeitpunkt noch interessanten Themenvorschlag hin erstellt wurde, schon fertig war.

Deshalb hier die Lesbenversion der Buchvorstellung eines nicht-lesbischen Buches:

In astreinem, in früheren Emanzen- und Lesbenkreisen gern und oft benutztem Lila erscheint »den titel sag ich nicht denn das buch ist gut, obwohl es nicht lesbisch ist und von frauen in führungspositionen handelt, was ich auch schon zuvor bemerkte« – damit der lesbische Leser gleich weiß, worum es geht. Und in der Tat weiß die Lesbe, die gleichzeitig auch eine Frau ist, worum es geht, denn sie lebt nicht nur mit ihren nur der Lesbenwelt zugänglichen superlesbischen Brüsten, sondern auch mit Männern in allen Farben und Formen in dieser Welt, beruflich wie privat. Männer sind gut! Obwohl die meisten von ihnen möglicherweise nicht lesbisch sind, was schlecht ist. Aber um sie geht es nicht. Obwohl. Möglicherweise sind auch lesbische Männer darunter.

Also ist dieses nicht-lesbische Buch eigentlich nichts Neues und für Lesben schon mal gar nichts. Warum, weiß die Rezensentin leider auch nicht so ganz genau, ging sie doch dooferweise davon aus, dass die LeserInnen (und zwar ALLE LeserInnen) auch Frauen mit einem Beruf sein könnten und somit ein zwar nicht ausschließlich homosexuelles, aber doch begründetes Interesse am Inhalt dieses Buches hätten haben können. Obwohl es gar nicht lesbisch ist! Irre.

Ziel der im ersten Eindruck heterosexuell erscheinenden – aber Homosexualität ist natürlich nicht ausgeschlossen – Herausgeberin ist es, keinen Geschlechterkampf, sondern erhellende Unterhaltung zu bieten, ohne lesbischen Sex! Beruflich erfolgreiche heterosexuelle und vermutlich auch ein Haufen homosexueller Frauen (die sich nur noch nicht geoutet haben – wie im richtigen Leben. Hahaha!) geben Auskunft über ihre persönlichen Erlebnisse mit mehr oder weniger emanzipierten lesbischen Studenten, Kollegen, Vorgesetzten oder Familienmitgliedern. Ohne Tiere. Auch keine lesbischen Tiere. Ist das Patriarchat abgeschafft? Diese Kernfrage aller lesbischen Mütter aller Fragen wird von den vermutlich homo- und/oder heterosexuellen, bi gibt es ja auch noch! trans*, inter*, ***, ??? etc: YOU ARE WELCOME! Beteiligten mal mit Humor, mal ernst, ironisch, nüchtern oder kämpferisch erörtert und zwar wahrscheinlich als schranklesbischer – denn um Lesben geht es nicht, was ich bereits sagte – Textbeitrag oder relativ lesbisches Bildstatement. Hurrah!

Und ich möchte abschließend meine kleinen lesbischen Revolutions-Fäustchen in die Luft recken und singen »It`s raining men! Auf geht`s, Schwestern! Tits up!«

PS: Menschen, die wissen, wie ich »lesbischer« schreiben soll oder was ein »lesbischer Text« ist oder was eine »lesbische Buchvorstellung«, ein »lesbischer Kostümfilm« etc.: Bitte melden!

Dezember 2010

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