Freitag, der 13.

13 Jan

Angelehnt an den Gedanken im Text „Gut abgelenkt” stelle ich heute, am Freitag den Dreizehnten, fest (und möglicherweise wird eine Reihe daraus):

Grusel & Kreisch, Teil zwei.

Marlene Dietrich soll schon gesagt haben, die Amis sind doof. (Sie habe, um genauer zu sein, gesagt, Amerikaner hätten keine Kultur. Ich deute das frei. Wobei: Die Amis, die ich kenne, sind gut: Sonic Youth und der Mann von Christine.) Somit ist es nicht verwunderlich, dass dickliche junge Amerikaner in den Sommerferien dauernd in Fallen tappen und von perversen mutierten Inzuchtmonstern im Wald zerstückelt und gegessen werden. Oder in Gläsern aufbewahrt. Andererseits sind Amerikaner meistens freundlich. Vielleicht denken sie nichts Böses? Auf jeden Fall geraten sie oft in trouble und müssen sehen, wie sie überleben.
Und warum fallen alle immer hin, wenn sie abhauen wollen, selbst wenn GAR NICHTS auf dem Boden herumliegt? Das passiert sogar auch Sheriffs!!! Zum Beispiel dem in „The walking dead“, aber nicht dem Hauptsheriff, sondern dem mit den braunen leicht lockigen Haaren. Auf Asphalt. Mit Schuhen! Mit guten Schnürsenkeln!! Ohne Hindernisse!!!
Warum ist das so?
Kann man so aufgeregt sein, dass man automatisch hinfällt, wenn man vor Zombies weglaufen will? Schockstarre soll es ja geben. Oder man ist gerade kurz abgelenkt, während man um sein Leben rennt. Z. B. vom Gedanken ans Abendbrot oder ob die S-Bahn wohl pünktlich fährt. Kennt jeder.

Und bei den jungen Menschen in den großen amerikanischen Filmen sind oft auch kreischende Doofe. Die allerdings relativ gut aussehen. Mitten im Wald oder auf Feldern. Deshalb ist es für das Auge schade, wenn sie hinfallen und aufgegessen werden. Dann sind sie weg und zurück bleibt nur ein vergilbtes und zerknittertes Photo von ihnen in der vom Abhauen schmutzig gewordenen Hand der Überlebenden. Und alle sind am Heulen. Auch die Jungens. So funktionieren Horrorfilme: Schöne Doofe in Not mit Blut und Bäumen oder auf Feldern mit Wäscheleinen.
Da kann keiner mehr helfen.
Ich hätte gerne mal kluge, schöne, bescheidene Checkertypen und –typinnen, die irgendwo in der Pampa mit der Karre liegen bleiben und dann mit Zombies/Mutierten/Verwandten kämpfen müssen, um ihr Überleben zu sichern – und das auch schaffen. Und zwar alle! Vermutlich gibt es mit Klugen & Schönen keine Spannung, weil man ja weiß, dass sie gewinnen und keiner geht mehr ins Kino und schaut sich den Film an. Obwohl. Batman ist auch schön und alles und es ist trotzdem spannend. Aber Batman ist ja auch kein Horrorfilm.

Gibt es eigentlich Horrorfilme, in denen keiner überlebt und man nicht nur während des Films panisch und verzweifelt ist, sondern auch nach seinem Ende BEGRIFFEN hat, dass es manchmal keinen Ausweg gibt? Hack, alle tot! Auch die schönen Checker. Die Lage bleibt verzweifelt! Auch nach dem Film im täglichen Leben! Gab es das zuletzt in und nach Goethes Buch „Die Leiden des jungen Werther“? Gucken sich Menschen Filme an, weil kein Hoffnungsträger überlebt? Auch kein nicht so schöner? Ich glaube nicht, denke aber noch mal darüber nach. Dann lieber lustige Zombiefilme wie „Zombieland“ oder „Shaun of the dead“. Die kann man auch an Weihnachten gucken und es ist gut!

Zurück im alltäglichen Leben gibt es das „Freitag-der-13.-Gefühl” auch ohne ausgedachte Filme. Grusel & Kreisch z. B. durch neue Brillengestelle auf alten Nasen in bekannten Politikergesichtern (die dadurch nicht schöner werden), extrem betäubende Körpergerüche eigentlich ordentlich gekleideter Menschen in Fahrzeugen des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs oder ständig gut gelaunte Menschen, die immer, also wirklich IMMER, grinsen und fröhlich sind:
Grusel & Kreisch.

Demnächst: Wie man überlebt, nachdem man erst erschossen und anschließend bei lebendigem Leib vergraben wurde, nachdem man zuvor erschossen wurde. Und sich natürlich ohne Hilfe und fast schon fröhlich wieder ausgräbt, laufen kann und die Bösen umhaut.

Kreisch on!
Ich bleib im Bett unter der Decke bis zum 14., sicher ist sicher.

13. Januar 2012

Werbeanzeigen